Ahnenforschung im Burgenland – Burgenland ist anders!

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Geschichtliche Entwicklung des Landes und der Diözese

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu Bemühungen die deutschsprachigen Gebiete Westungarns an Österreich anzuschließen. Im Friedensvertrag von St. Germain wurde festgelegt, dass „Deutsch-Westungarn“ an Österreich anzuschließen sei, im Vertrag von Trianon wurde Ungarn verpflichtet dieses Gebiet an Österreich abzutreten. Die Aufnahme in die Republik Österreich wurde 1921 durch Bundesgesetz geregelt.[i]

Nach Unruhen wurde im November 1921 das Gebiet vom österreichischen Bundesheer besetzt und am 5. Dezember offiziell von Ungarn an Österreich übergeben. Für Sopron (Ödenburg) wurde vom 14. bis 16. Dezember 1921 über Vermittlung Italiens eine Volksabstimmung durchgeführt, die in der Stadt für Ungarn ausging, weshalb Sopron mit seinen Umlandgemeinden bei Ungarn verblieb. Der Name des Bundeslandes erinnert daran, dass das Bundesland aus Teilen der drei ungarischen Komitate Eisenburg (Vas), Ödenburg (Sopron) und Wieselburg (Moson) besteht.

Mit Ausnahme der Zeit des „Anschlusses“ (1938-1945), in der das Burgenland auf die Reichsgaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilt war, ist das Burgenland ein selbständiges Bundesland der Republik Österreich.

Das Gebiert des Bundeslandes Burgenland lag in den Diözesen Raab (Györ) und Steinamanger (Szombathely). 1922 wurde eine Apostolische Nuntiatur für das Burgenland geschaffen, 1960 wurde die Diözese Eisenstadt errichtet. 2020 feierte die Diözese ihr 60-jähriges Jubiläum.

Forschen mit Matriken im Burgenland

Katholische Matriken

Mitte Dezember 2019 wurde im Rahmen einer Betaversion mit der Onlinestellung der Matriken des Burgenlandes begonnen: https://matriken.at/ Im Rahmen des Probebetriebes bis 31. März 2020 war der Online-Zugriff auf die bereits online verfügbaren Matriken  kostenlos möglich. Ab 1. April 2020 ist der Zugriff kostenpflichtig. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 63 Pfarren – also etwa ein Drittel – in der Auflistung angeführt: https://matriken.at/node/24

Die Matriken des Burgenlands werden zum Teil im Diözesanarchiv verwahrt, der Rest liegt in den Pfarren.  Es gab keine Systematik für die Zentralisierung ins Archiv, eingezogen wurden aber in der Regel die gefährdeten Bestände.

Im Stiftsarchiv Heiligenkreuz werden die Matriken der inkorporierten Pfarren Mönchhof und der 1941 aufgelassenen Pfarre Kaisersteinbruch verwahrt. Der gesamte Matrikenbestand der ebenfalls zu Heiligenkreuz gehörigen Pfarre Podersdorf am See befindet sich in der Pfarre. Die Matriken der Pfarren Kaisersteinbruch und Mönchhof sind online auf Matricula verfügbar.[ii] http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/burgenland/

Evangelische Matriken

Die Matriken der evangelischen Pfarren A.B.  und H.B.  befinden sich in den jeweiligen Pfarren.

Israelitische Matrikenführung

Die erhaltenen Matriken der jüdischen Gemeinden befinden sich im „Jüdischen Zentralarchiv der ehemaligen Judengemeinden des Burgenlandes“ im Burgenländischen Landesarchiv. Eine Übersicht über diesen Bestand wurde von Hugo Gold publiziert.[iii]

Standesämter und Matrikenduplikate

Zwischen 1797 und 1845 aus Sicherheitsgründen angeordnet, dass jährlich Abschriften der Matriken anzufertigen sind, die an das bischöfliche Ordinariat weiterzuleiten waren.[iv]

Während in Österreich mit Ausnahme des Burgenlandes die Standesämter erst per 1. Jänner 1939 eingeführt worden waren, gibt es für das zum ehemaligen Königreich Ungarn gehörige Burgenland standesamtliche Aufzeichnungen bereits ab 1895.

Sowohl Matrikenduplikate ab erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, als auch standesamtliche Aufzeichnungen von 1895 bis 1920 sind auf FamilySearch online verfügbar.

Wie nun bei der Suche nach Matrikeneinträgen vorgehen?

Zugriff auf die standesamtlichen Aufzeichnungen bzw. katholische und evangelische Matrikenduplikate des Burgenlandes auf FamilySearch

  1. Als ersten Schritt empfehlen wir Ihnen einen kostenlosen Account auf FamilySearch anzulegen und sich anzumelden: https://www.familysearch.org/
  2. Sie Suchen auf der Seite Burgenlandbunch https://www.the-burgenland-bunch.org/Villages/Villages.htm den Bezirk des von Ihnen gesuchten Ortes. In der Spalte 1 finden sie den Namen des Ortes, in der Spalte 3 den Bezirk.
  3. Nun wechseln Sie auf die Seite https://www.the-burgenland-bunch.org/LDS/LDS.htm. Wählen sie den politischen Bezirk aus, in dem die Gemeinde (für standesamtliche Aufzeichnungen) bzw. die Pfarre (für Matrikenduplikate) liegt und kommen zum nächsten Schritt.
  4. Hier (z.B. Politischer Bezirk Oberwart: https://www.the-burgenland-bunch.org/LDS/Oberwart.htm ) finden Sie für die Orte des Bezirks Spalte 1: (Town/Village), die zuständigen römisch-katholischen Pfarren (RC Parish), die evangelischen Pfarren (LU-Parish) und die Standesämter (Civil(GV)). Diese notieren Sie sich am besten.
  5. Jetzt scrollen Sie hinunter und kommen auf derselben Seite zu einer weiteren Tabelle. In dieser finden Sie in der Spalte 1 für jeden Pfarrort bzw. jedes Standesamt unter Type (Spalte 2) die Geburten, Trauungen und Todesfälle der römisch-katholischen (RC) und evangelischen (LU) Pfarren sowie der Standesämter (GV), die Laufzeit (Spalte 3: Years) sowie den Link zu den Matriken auf FamilySearch. Sie klicken den gewünschten Link an und werden weitergeleitet zum entsprechenden digitalen Bestand auf FamilySearch. Sie können hier die Seiten betrachten, speichern und ausdrucken – kostenlos.

Eine detaillierte Beschreibung finden Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung (ÖFR) im internen Teil auf https://oefr.at/mitglieder-intern/

Zugriff auf römisch-katholische Matriken auf https://matriken.at

Das Diözesanarchiv schreibt dazu: „Der Zugriff ist kostenpflichtig. Bei jedem Abonnement können Sie eine unbegrenzte Anzahl von Bildern anzeigen. Forscher können Bilder auch wie folgt auf ihren Computer hochladen:

  •     15-Tage Zugang (€ 10.-): 15 Bild (sic!) herunterladen
  •     90-Tage Zugang (€ 20.-): 50 Bild herunterladen
  •     365-Tage Zugang (€ 50.-): 200 Bild herunterladen

Die Registrierung erfolgt hier: https://matriken.at/user/register [v]

Derzeit sind Matriken folgender Pfarren online (Stand 31.3.2020):

Apetlon, Baumgarten,Bernstein, Bildein, Bocksdorf, Breitenbrunn, Deutsch Jahrndorf, Deutsch Kaltenbrunn, Deutschkreutz, Deutsch Schützen, Deutsch Tschantschendorf, Donnerskirchen, Drassburg, Drassmarkt, Dürnbach, Edelstal, Eisenstadt Oberberg, Forchtenau, Frankenau, Gaas, Gattendorf, Geresdorf, Grosshöflein, Grosspetersdorf, Grosswarasdorf, Güssing, Hannersdorf, Heiligenkreuz, Horitschon, Hornstein, Ilmitz, Jennersdorf, Jois, Kaisersdorf, Kaisersteinbruch, Kirchfidisch, Kittsee, Kitzladen, Kleinfrauenhaid, Kleinhoeflein, Klingenbach, Kobersdorf, Königsdorf, Krensdorf, Kroatisch Geresdorf, Kroatisch Minihof, Kukmirn, Landsee, Lockenhaus, Lutzmannsburg, Moschendorf, Neckenmarkt, Neudoerfl, Neusiedl am See, Oggau, Parndorf, Pinkafeld, Pöttsching, Sankt Kathrein, Sankt Martin in der Wart, Trausdorf, Unterfrauenhaid, Walbersdorf[vi]

Einige wertvolle Forschungshilfen für das Burgenland

Ortsverzeichnis und Indizes

Für die schnelle Suche nach der zuständigen römisch-katholischen Pfarre hilft Ihnen das Alle Orte von Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Südtirol mit zugehöriger Pfarre und zuständigem Archiv (verlinkt) finden Sie im Ortsverzeichnis von Gundacker auf der kostenlosen Seite (Registrierung) www.genteam.at  – Dazu noch viele andere Daten aus dem Burgenland: Indizes von Bocksdorf, Dörfl, Girm, Großhöflein, Halbturn, Hannersdorf, Illmitz, Kittsee, Kogl, Krensdorf, Kukmirn, Litzelsdorf, Lockenhaus, Mischendorf, Neckenmarkt, Oberloisdorf, Pilgersdorf, Piringsdorf, Rattersdorf, Stegersbach, Steinberg, Stinatz, Stoob, Unterrabnitz, Wimpassing an der Leitha.[vii] Sie finden Sie unter „Indizes“ -> „Katholische Indices“ – Nähere Informationen finden Sie auf dieser Seite unter „Hilfe/Info“ rechts oberhalb der Suchmaske

Mehrsprachiges Ortsverzeichnis

Nachdem das Burgenland mehrsprachig (deutsch, ungarisch, kroatisch) ist, finden Sie immer wieder Ortsbezeichnungen in einer dieser Sprachen. Eine Gegenüberstellung der Ortsnamen finden Sie hier: https://www.the-burgenland-bunch.org/Map/Villages/AllMapNames2.htm

Übersichtskarten des Burgenlandes (mehrsprachig)

Oft beschränkt sich das Interesse auf die Gemeinden in der Umgebung des Forschungsortes: In diesem Fall helfen Ihnen die mehrsprachigen Übersichtskarten hier: https://www.the-burgenland-bunch.org/Map/VillageMaps.htm

Gegenüberstellung alter Hausnummern zu neuen Ordnungsnummern (Konkordanztabellen)

https://www.the-burgenland-bunch.org/HouseList/Translation/HouseNumberTranslation.htm

Hilfe beim Lesen der standesamtlichen Unterlagen

Eine Übersetzungshilfe (Ungarisch-Englisch) finden sie hier für

Taufen: http://www.the-burgenland-bunch.org/Newsletter/Newsletter265.htm#03

Sterbefälle: http://www.the-burgenland-bunch.org/Newsletter/Newsletter266.htm#03

Trauungen: http://www.the-burgenland-bunch.org/Newsletter/Newsletter267.htm#03

Begriffe in den Matriken: Latein und ungarisch

https://wiki.oefr.at/W%C3%B6rterb%C3%BCcher_-_Lexika

Wenn Sie Hilfe brauchen

Facebookgruppe Ahnenforschung Burgenland: https://www.facebook.com/groups/Ahnenforschung.Burgenland/

Facebookgruppe Ahnenforschung in Ungarn(für das ehemalige Königreich Ungarn): https://www.facebook.com/groups/Ahnenforschung.in.Ungarn/

und selbstverständlich die Mailingliste der ÖFR http://www.genlist.at

Kontaktdaten

Diözesanarchiv Eisenstadt, St. Rochus-Straße 21 7000 Eisenstadt https://www.martinus.at/institution/5013

Kontaktdaten der röm.-kath. Pfarren: https://www.martinus.at/portal/pfarren/pfarren

Kontaktdaten der evangelischen Pfarren im Burgenland: https://evang-bgld.at/gemeinden/

 

Verweis zu einem weiteren Beitrag der Vergangenheit:

Diözesen Eisenstadt und Györ: Gemeinsame Matriken-Digitalisierung

Fußnoten:

[i] Bundesverfassungsgesetz über die Stellung des Burgenlandes als selbständiges und gleichberechtigtes Land im Bund und über seine vorläufige Einrichtung vom 25. Jänner 1921. Online verfügbar unter  http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=bgb&datum=19210004&seite=00000305 (zuletzt abgefragt 1.4.2020)

[ii] Tipps für Familienforscher, Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft der Diözesanarchive Österreichs, Herausgeber Kerstin Hederer und Robert Kluger, Band 1, 4. Überarbeitete Auflage 2018, Seite 28 ff. Online verfügbar unter https://www.dioezese-linz.at/dl/MrKNJKJkLmlkJqx4kJK/Tipps_Familienforschung_2018.pdf (zuletzt abgefragt 1.4.2020)

[iii]  Gold, Hugo: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes: Geschichte des österreichischen Judentums, Verlag Ed. Olamenu (Tel-Aviv) 1970.

[iv] Gundacker, Felix: Kurrent in Kirchenbüchern, Eigenverlag, 1. Auflage, 2018, ISBN 978-3-902318-211-x, Seite 12, weiters Hofkanzleidekret im Volltext in: Grießl, Anton: Kirchliche Vorschriften und österreichische Gesetze und Verordnungen in den Matriken-Angelegenheiten, Graz, Ulrich Mosers Buchhandlung 1891, Seite 19.

[v] https://matriken.at/user/register zuletzt abgefragt 1.4.2020

[vi] https://matriken.at/node/24 zuletzt abgefragt 1.4.2020

[vii] https://www.genteam.at zuletzt abgefragt 1.4.2020

 

Bilder:

Ortsschild von Oberwart (ungarisch Felsőőr) – Mihály, Oberwart – Felsőőr, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Wappen Burgenland  http://www.fahnen-gaertner.com, Burgenland Wappen, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

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