Erweitertes Ortsverzeichnis auf GenTeam: Slowakei und Karpatenruthenien

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Seit mittlerweile knapp zehn Jahren ist das von Prof. Felix Gundacker auf GenTeam zur Verfügung gestellte Ortsverzeichnis für Österreich, Tschechien und Slowenien nicht mehr aus der genealogischen Forschung in diesen ehemaligen Kronländern wegzudenken. Mit dem fortschreitenden Interesse an Ahnenforschung erweitert sich auch der regionale Fokus, und so stand im Besonderen die Frage nach einem Ortsverzeichnis für die Slowakei schon lange immer mehr im Blickpunkt.

Frau Mag. Ingrid Schuster, Hobby-Genealogin aus Wien mit umfangreicher Erfahrung, hat diese Lücke nun geschlossen: Mit knapp 4.500 Orten für acht unterschiedliche Archive geht das von ihr erstellte „Ortsverzeichnis Slowakei und Karpatenruthenien“ nun auf GenTeam online. Wir haben aus diesem Anlass mit Ingrid Schuster gesprochen, um einen Blick hinter die Kulissen dieses spannenden Projekts zu werfen.

Ingrid Schuster vor dem Schloss Karlburg in Bratislava
Foto: privat, 2019

Das Gespräch führte Gabi Rudinger.

Du bist vielen unserer Leserinnen und Leser aus unseren Facebook-Gruppen bekannt, in denen du sehr oft wertvolle Hilfestellung gibst. Seit wann beschäftigst du dich mit Ahnenforschung?

Meine ersten Schritte machte ich im Dezember 2011, ich wollte etwas über das Schicksal meines Großvaters herausfinden, der seit Jänner 1943 in Stalingrad als vermisst galt. Dazu habe ich mich damals im ersten Forum angemeldet.

Anschließend habe ich auf dem alten Laptop meines 2007 verstorbenen Vaters je drei Generationen seiner Familie und der Familie meiner Mutter entdeckt. Er hatte – noch ohne Internet – versucht, etwas über die Vorfahren herauszufinden. Das war dann die eigentliche Initialzündung. Im März 2012 habe ich mich bei GenTeam angemeldet und kurz danach den Anfängerkurs bei Felix Gundacker besucht. So bin ich nach und nach „hineingekippt“.

Bei einem unserer Genealogenstammtische hast du auch deine äußerst beeindruckende Seite im Internet vorgestellt, auf der du deine eigene Familienforschung präsentierst. Wie viel Zeit investierst du in deine persönliche Genealogie und in deine Seite?

Derzeit in etwa zehn Stunden pro Woche. In den ersten Jahren habe ich mich täglich stundenlang damit beschäftigt. Meine Internetseite war in den ersten Monaten arbeitsintensiv, jetzt erfolgt eigentlich nur mehr ein „Update“, wenn ich in einer Linie weiterkomme.

Kommen wir nun zu jenem Projekt, das du für GenTeam gemacht hast und das nun online gestellt wird – das Ortsverzeichnis für die Slowakei und Karpatenruthenien. Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

Im März dieses Jahres habe ich mich beim Genealogenstammtisch in Wien mit Felix Gundacker darüber unterhalten, dass es noch kein Ortsverzeichnis für diese Region gibt. Er hat mich gefragt, ob ich das machen möchte, und ich habe zugesagt. Wir haben uns kurz darauf erneut getroffen, um alles im Detail zu besprechen: Die vorhandenen Quellen, die Aufbereitung der Datenstruktur und noch einiges mehr.

Du hattest einen Entwurf für die Struktur, du hattest die ersten Quellen – und dann hast du losgelegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die ersten Schwierigkeiten nicht lange auf sich warten ließen.

Allerdings! Die größte Herausforderung bestand darin, dass ich ein System finden musste, mit dem ich acht unterschiedliche Archive mit insgesamt beinahe 2.000 Pfarren und jüdischen Gemeinden organisieren konnte, die schlussendlich mit knapp 4.500 Orten verknüpft werden mussten.

Neu war auch, dass ich die Ortsnamen in mehreren Sprachen erfasst habe: Deutsch, Slowakisch, Ungarisch und teilweise sogar Ukrainisch, dazu noch die heutigen Ortsnamen sowie jene, die früher verwendet wurden. Und dann gibt es in diesem Projekt noch eine weitere Besonderheit – fünf Religionen.

Ich musste mich auch regional in die Thematik einarbeiten. Um ein Ortsverzeichnis erstellen zu können muss ich auch wissen, wo ein Ort liegt, um ihn dem richtigen Bezirk, dem richtigen Archiv zuordnen zu können. Mit Hilfe unterschiedlicher Seiten wie zum Beispiel Mapire oder Genealogy Slovakia ist mir das dann aber immer gelungen.

Welche Zahlen stecken hinter dem neuen Ortsverzeichnis?

Insgesamt sind knapp 4.500 Orte erfasst – etwa 4.000 davon für die Slowakei und rund 500 für Karpatenruthenien, eine historische Region im äußersten Westen der heutigen Ukraine, die bis 1918 ebenfalls Teil der Habsburgermonarchie war. Selbstverständlich kann es darunter die eine oder andere kleine Ortschaft geben, die ich nicht erfasst habe. Ein Projekt dieser Größe ist nie völlig fehlerfrei.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Das hat schon einige Zeit in Anspruch genommen! Alles in allem waren es sicher knapp vier Monate, die ich intensiv daran gearbeitet habe.

Als Erstellerin des Ortsverzeichnisses hast du gegenüber uns anderen Benutzerinnen und Benutzern von GenTeam den Vorteil, dass dir diese wertvollen neuen Informationen schon länger für deine eigene Forschung zur Verfügung stehen. Hast du bereits anhand einer konkreten Recherche sozusagen einen „Praxistest“ machen können?

Ja, genau so einen Fall hatte ich vor wenigen Wochen. Eine meiner Großtanten ist 1966 in Wien gestorben und ich wollte wissen, woher sie stammte. Aus der Todesfallaufnahme und der Verlassenschaftsabhandlung, die ich mir im Wiener Stadt- und Landesarchiv ausheben ließ erfuhr ich, dass sie aus Rutka in Ungarn kam. Google wusste nichts über Rutka, und so erprobte ich gleich mein neues Ortsverzeichnis. Da sie zum Zeitpunkt ihres Todes katholisch war, suchte ich nach „römisch-katholisch“ und verwendete für die Suche nach dem Ortsnamen die Teilsuche „rutk“. Und ich fand den Ort! Der heutige Ortsname ist Vrutky Horne, ungarisch Felsőrutka, die entsprechende Pfarre ist Sucany, und Matriken gibt es seit 1690 bzw. 1696. Die Matriken von Sucany sind auf FamilySearch online, und dort fand ich auch ihren Taufeintrag aus dem Jahr 1878.

Ich habe mich gleich doppelt gefreut. Zum einen hatte ich endlich die Herkunft meiner Großtante geklärt, und zum anderen ist mir das nur mit Hilfe meines Ortsverzeichnisses gelungen.

Wie gut kennst du dich jetzt in der Slowakei aus?

Sehr gut! Ich bin nun auch wirklich neugierig geworden, die Slowakei besser kennen zu lernen und möchte demnächst eine Erkundungsreise machen. Ich habe vor diesem Projekt zum Beispiel nicht gewusst, dass es in der Slowakei so viele interessante Schlösser gibt!

Ich wünsche dir eine schöne Reise und bedanke mich ganz herzlich für das Interview!

Ein Kommentar

  1. Herzlichen Dank an Frau Ingrid Schuster und Felix Gundacker! Mir hat die Erweiterung um die Slowakei schon in zwei Fällen geholfen.
    Leopold Strenn

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