Der Franzi

Sowohl für die Familien- als auch für die Regionalgeschichte ist der Franziszeische oder Stabile Kataster eine überaus spannende Quelle. Mit seiner Hilfe erfahren wir mehr über die Lebenswelt vor etwa 200 Jahren. Aber wie arbeitet man am besten mit dieser Ressource?

Wichtig ist zu wissen, dass der Franziszeische Kataster für die Gebiete des heutigen Österreichs über einen langen Zeitraum von 1817 bis 1861 erfasst wurde. Er diente als einheitliche Basis zur Bemessung der Grundsteuer. Angelegt wurde er anhand der damaligen Katastralgemeinden. Durch die erstmalige, möglichst exakte Vermessung der Grundstücke ist er zudem die Basis, aus der sich unser heutiger Kataster entwickelt hat. So wirkt er bis in unsere Zeit hinein und in manchen Gegenden hat sich seither wenig verändert. Er bietet zudem einen Einblick in die Besitzverhältnisse und Landschaftsräume im 19. Jahrhundert. Wir erfahren viel über die Häuser und deren Besitzer, über die Aufteilung der Gründe und deren Beschaffenheit.

Der Kataster selbst besteht aus mehreren Komponenten. Es gibt die Mappen bzw. Mappenblätter mit der kartografischen Aufbereitung und dazu unterschiedliche Begleitdokumente, welche ursprünglich als Schriftoperate bezeichnet wurden. Zumeist kommt man als erstes mit den georeferenzierten Mappenblättern auf der Plattform Arcanum Maps in Berührung. Doch wie sind die Informationen zu interpretieren und was bedeuten die Nummern?

Mit einem Porträt von Franz II. durch Joseph Kreutzinger (1815)

Bei der Vermessung selbst entstanden Feld- und Indikationsskizzen, in denen bei der Erfassung zusätzliche Informationen vermerkt wurden. Daraus entstanden schließlich die Urmappen und später sogenannte Reambulierungsmappen zur Überprüfung und Berichtigung. Wichtig ist zu wissen, dass zwei Nummernkreise zum Einsatz kamen. Einerseits die Bauparzellennummern in schwarz und andererseits die Grundparzellennummern in rot. Die Hausnummern findet man in den Mappenblättern nicht. Interessant ist auch, was die Farben bei den Gebäuden bedeuten. Während steinerne Gebäude hellrot dargestellt wurden, erhielten hölzerne Gebäude eine gelbe Farbe. Öffentliche Gebäude wiederum wurden dunkelrot eingefärbt.

Hier ein Beispiel mit dem georeferenzierten Kartenmaterial auf Arcanum Maps. Im Unterschied zu den nicht kolorierten Urkopien im NÖLA Findbuch enthalten diese Nachträge. 

  1. Topografische Namen (Ortsnamen, Hausnamen, Flurnamen, Gewässernamen etc.)
  2. nummerierte Bauparzellen (keine Hausnummern) in schwarzer Schrift
  3. nummerierte Grundparzellen in roter Schrift
  4. grafische Darstellung der Kulturgattungen (hier koloriert)
  5. spätere Nachträge

Der verwendete Kartenausschnitt: https://maps.arcanum.com/de/map/cadastral/?bbox=1693144.75741048%2C6117161.186040089%2C1695572.8273871012%2C6118072.458736677&map-list=1&layers=3

Mehr zu den dargestellten Informationen findet man in den Vorschriften zur Zeichnung der Katastral-Pläne: https://www.noela.findbuch.net/php/view.php?link=464b204d617070656ex4#&zoom=0.125&path=http://augias.noel.gv.at/FK/04%20Vorschrift_Katastralplaene_1819.jpg

Es gibt zahlreiche Schriftoperate, die im Rahmen des Katasters erfasst wurden. Interessant sind vor allem die Bau- und Grundparzellenprotokolle, da hier eine Verbindung zu den Mappen hergestellt werden kann. In den Bauparzellenprotokollen erfolgte die Verknüpfung zu den jeweiligen Hausnummern. Allerdings sind einer Hausnummer mitunter mehrere Bauparzellen zugeordnet. Das Grundparzellenprotokoll liefert zusätzliche Informationen zu den gesetzlichen Eigenschaften und zur Kulturgattung der Grundstücke. Zur Handhabung der Protokolle ist es gut zu wissen, dass manchmal Teile einer Katastralgemeinde einzeln behandelt und die Parzellen getrennt voneinander aufgelistet wurden. Hier spricht man von Enklaven.

Eine Verbindung dieser beiden Protokolle stellt das Alphabetische Verzeichnis der Grundeigentümer dar. Ein Abgleich der Protokolle und mit dem Verzeichnis ist sinnvoll, um die jeweiligen Angaben zu prüfen. Hinzu kommt die definitive Grenzbeschreibung. Darin wurden, basierend auf der provisorischen Grenzbeschreibung, die Grenzen der Katastralgemeinde festgehalten. In Niederösterreich werden diese Begleitdokumente gesammelt als Digitalisat zur Verfügung gestellt. Es entstanden zusätzlich noch Fragebögen und Schätzungsoperate zur Wirtschaftlichkeit der Katastralgemeinde. Diese können vor allem für die Regionalgeschichte interessant sein.

Die Bauparzellenprotokolle

  1. Bauparzellennummer
  2. Hauseigentümer und Stand
  3. Wohnort und Hausnummer
  4. Gattung (Wohngebäude, Wirtschaftsgebäude etc.)
  5. Fläche der Bauparzelle

Die Grundparzellenprotokolle

  1. Blattnummer (Bezug zur Mappe), daneben der Riedname
  2. Grundparzellennummer
  3. Gesetzliche Eigenschaft des Grundstückes
  4. Angaben zum Eigentümer (Name, Stand, Wohnort)
  5. Kulturgattung (Wiese, Acker, Obstgarten, Wald etc.)
  6. Fläche der Grundparzelle

Bei der gesetzlichen Eigenschaft wird im ersten Schritt unterschieden, ob es sich um einen dominikalen (herrschaftlichen) oder rustikalen (bäuerlichen) Grund handelte. Im nächsten Schritt gab es jeweils die Unterscheidung zwischen Haus- und Überländgründen. Zweitere konnten frei vergeben werden, während Hausgründe einem bestimmten Haus zugeordnet waren.

Die Alphabetischen Verzeichnisse der Grundeigentümer

  1. Fortlaufende Nummer und Sektion (Bezug zur Mappe)
  2. Hausnummer
  3. Eigentümer (Name, Stand, Wohnort)
  4. zugeordnete Grundparzellen nach Sektion

Im Beispiel wurden die Protokolle zu Aggsbach im NÖLA Findbuch verwendet: https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#464b2050726f74x4


Wie finde ich das Haus meiner Vorfahren?

Dazu sind neben den Mappenblättern zusätzliche Informationen notwendig, welche in den Bauparzellenprotokollen zu finden sind. Anhand der Zuordnung einer Hausnummer zu einer Bauparzelle kann der Standort ermittelt werden. Anschließend kann über georeferenziertes Kartenmaterial die historische mit der heutigen Lage abgeglichen werden. Durch diesen Abgleich ist es auch möglich, die aktuelle Adresse zu ermitteln, falls das Haus noch steht.

  1. Ermittlung der Katastralgemeinde
  2. Suche nach einem Digitalisat der Bauparzellenprotokolle zur Katastralgemeinde
  3. Suche nach der historischen Adresse in den Bauparzellenprotokollen
  4. Ermittlung der Bauparzelle des Wohngebäudes
  5. Suche der Bauparzelle im georeferenzierten Kartenmaterial (z.B. Arcanum Maps)
  6. Abgleich des historischen Kartenmaterials mit der heutigen Lage

Im NÖLA Findbuch kann man über die Signatur schnell das gesuchte Digitalisat finden. Hier würde man nach „FK Prot“ und dem Namen der Katastralgemeinde (z.B. „FK Prot Ferschnitz“) suchen.

Allerdings wurden oft mehrere Bauparzellen einer Hausnummer zugeordnet. Das heißt, man muss feststellen, welches das Hauptgebäude bzw. Wohngebäude war. Leider fehlen immer wieder einzelne Hausnummern. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Die Hausnummern wurden ab den 1770er-Jahren vergeben und das Haus kann in der Zwischenzeit verschwunden sein. Ein Besitzer konnte auch mehrere Häuser besessen haben und es wurden alle Häuser mit der gleichen Hausnummer vermerkt. Außerdem ist der Erfassungszeitpunkt der Protokolle relevant, da die Nummerierung der Häuser sich verändert haben könnte. Im Zweifelsfall lohnt sich ein Blick in weitere Quellen.

Welche Gründe besaßen meine Vorfahren?

Diese können über die Grundparzellen ermittelt werden, welche im Grundparzellenprotokoll aufgelistet wurden. Wenn man sich die Suche etwas erleichtern will, kann man das Alphabetische Verzeichnis der Grundeigentümer zu Hilfe nehmen. Dort sind alle Grundbesitzer in sortierter Reihenfolge mit ihren Gründen aufgelistet. Allerdings lohnt es sich, einen genaueren Blick in das Protokoll zu werfen und die Informationen abzugleichen. Anschließend können die zugehörigen Parzellen ermittelt und auch gleich in den Mappenblättern verortet werden. Allerdings sollte man im Hinterkopf haben, dass es auch Grundbesitz in den benachbarten Katastralgemeinden gegeben haben könnte (z.B. Überländgrundstücke). Die konkrete Ermittlung des Grundbesitzes kann auf dieser Basis über eine eigene Liste erfolgen, um die im Protokoll genannten Flächen zu summieren.

  1. Ermittlung der Katastralgemeinde
  2. Suche nach einem Digitalisat des Alphabetischen Verzeichnisses der Grundeigentümer zur Katastralgemeinde
  3. Abgleich des Verzeichnisses mit dem Grundparzellenprotokoll
  4. Suche der Gründe im georeferenzierten Kartenmaterial (z.B. Arcanum Maps)

Wo kann ich online recherchieren? 

Je nach Region unterscheidet sich das konkrete Vorgehen bei der Recherche, da die Archive unterschiedliche Digitalisate zur Verfügung stellen. Beinahe alle österreichischen Bundesländer findet man auf der Projektseite FRANZI (mehr dazu hier: https://oefr.at/2025/07/02/kati-franzi/). In Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg sind ausgewählte Begleitdokumente direkt auf den jeweiligen Seiten des Landesarchivs verfügbar. In Oberösterreich und im Burgenland sind aktuell noch keine Begleitdokumente digital verfügbar. Allerdings gibt es in Oberösterreich die Möglichkeit, über die Plattform DORIS zu recherchieren. Auch für Mähren und Schlesien gibt es bereits digitale Angebote (mehr dazu hier: https://oefr.at/2025/05/27/quellen-zur-steuerverwaltung-in-maehren-schlesien/).

FRANZI – Begleitdokumente in Österreich (aktuell ohne Burgenland und Oberösterreich): https://app.transkribus.org/sites/Franzi

NÖLA Findbuch: https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#464b

Steiermärkisches Landesarchiv; in der Beständestruktur unter „Justiz-, Finanz- und Sicherheitsbehörden“ > „Kataster und Vermessungswesen“ > „Franziszeischer Kataster“:
https://egov.stmk.gv.at/archivinformationssystem/

Kärntner Landesarchiv; in der Beständestruktur unter „GV Grundsteuer- und Vermessungswesen“ > „AT-KLA 75 Franziszeischer Kataster“:
https://landesarchiv.ktn.gv.at/klais/

SAGIS (Salzburg); unter Orientierung „Schriftoperate“ wählen: https://www.salzburg.gv.at/sagismobile/sagisonline/map/Basiskarten/Franzisc%C3%A4ischer%20Kataster

DORIS: https://www.doris.at/themen/geschichte/hofnamen.aspx

Begleitdokumente in Mähren und Schlesien: https://www.mza.cz/aron/apu/5621ccf1-a81c-4963-bd5f-176d074ab1ed

Franziszeischer Kataster bei Arcanum Maps: https://maps.arcanum.com/de/map/cadastral/

Historische Karten in Tschechien (mit Indikationsskizzen): https://ags.cuzk.cz/archiv/

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