735.000 Schicksale auf dem Weg in die Neue Welt – Die Bremer Schiffspassagierdatenbank als Schatz für die Familienforschung

Wer Vorfahren hat, die im 19. oder frühen 20. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert sind, kennt die Bedeutung der Passagierlisten. Neben Hamburg war Bremen einer der wichtigsten europäischen Auswanderungshäfen. Nun steht Familienforschern eine wissenschaftlich aufbereitete Datenbasis mit mehr als 735.000 Passagiereinträgen aus den Jahren 1830 bis 1939 zur Verfügung – ein Meilenstein für die genealogische Forschung.

Von der ehrenamtlichen Erfassung zur Forschungsdatenbank

Die Grundlage der heutigen Datenbank entstand bereits Ende der 1990er-Jahre durch das beeindruckende Engagement von Familienforscher:innen der MAUS – Gesellschaft für Familienforschung Bremen e. V.. Die historischen Passagierlisten wurden in jahrelanger Arbeit transkribiert und seit 2003 online zugänglich gemacht.

Die aktuelle wissenschaftliche Publikation der Universität Passau baut auf dieser Vorarbeit auf. Die Forschenden bereinigten und standardisierten die Daten, ergänzten Ortsangaben und Identifikatoren und schufen damit einen Datensatz, der sich nicht nur für historische Analysen, sondern auch hervorragend für genealogische Recherchen eignet.

Was enthält die Datenbank?

Die Datenbank umfasst rund 735.000 Personen, die zwischen 1830 und 1939 über Bremen auswanderten. Je nach Quelle finden sich unter anderem Angaben zu:

  • Name und Vorname
  • Alter und Geschlecht
  • Herkunftsort bzw. Wohnort
  • Beruf
  • Zielort
  • Schiff und Reisedatum
  • Familienverbände innerhalb der Passagierlisten

Nicht jeder Datensatz ist vollständig, doch gerade die Kombination dieser Informationen macht die Quelle für Genealogen besonders wertvoll.

Warum ist das für Familienforscher:innen interessant?

Auswanderer verlieren sich in europäischen Quellen oft plötzlich. Die Bremer Passagierlisten können genau diese Lücke schließen:

  • Sie helfen, den Zeitpunkt der Auswanderung einzugrenzen.
  • Familien können gemeinsam auf einer Passagierliste nachgewiesen werden.
  • Herkunfts- und Zielorte ermöglichen weitere Recherchen in europäischen und amerikanischen Archiven.
  • Die Angaben lassen sich mit Volkszählungen, Einwanderungsunterlagen oder Einbürgerungsakten in den USA, Kanada oder Südamerika verbinden.

Gerade für österreichische Familienforscher:innen ist Bremen häufig relevanter als vermutet. Viele Auswanderer aus den Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie reisten zunächst mit der Eisenbahn nach Norddeutschland und bestiegen dort ihre Schiffe in Richtung Übersee.

Die Publikation zeigt außerdem eindrucksvoll, welchen wissenschaftlichen Wert ehrenamtliche genealogische Vorarbeiten besitzen. Ohne die jahrzehntelange Arbeit der Familienforscher:innen wäre dieses Forschungsprojekt nicht möglich gewesen.

Fazit

Die Bremer Schiffspassagierdatenbank gehört zu den wichtigsten digitalen Quellen für die Erforschung der europäischen Auswanderung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie verbindet das Engagement der genealogischen Gemeinschaft mit modernen Methoden der Digital Humanities und eröffnet neue Möglichkeiten, die Wege unserer Vorfahren nachzuvollziehen.

Wer in seiner Familiengeschichte Auswanderer vermutet, sollte diese Quelle unbedingt in seine Recherche einbeziehen.

Der wissenschaftliche Artikel ist zwar in englischer Sprache verfasst, aber leicht verständlich. Die runterladbare Datenbank ist unter https://doi.org/10.5281/zenodo.17977460 zu finden.

Mein Dank gilt Frau Freya Ellen Rosan vom DAGV, Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e.V., für die Information zur Publikation.

Die hier gezeigten Bilder sind aus der unten angeführten Publikation und von der Homepage des Historischen Museums Bremerhaven/Deutsche Auswanderer-Datenbank (https://dad.plautec.de/galerie/ansichten-1871-1895/)

Literatur

Perschl, Tobias; Schmidt, Pauline; Gassner, Sebastian; Rehbein, Malte (2026): A Century of Migration (1830–1939): 735,000 Enriched Records from Bremen’s Ship Passenger Lists. Data, 11(2), 37. DOI: 10.3390/data11020037.

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