Die Resi

Die Maria-Theresianische Fassion entstand als Folge der katastrophalen Finanzlage des Habsburgerreichs nach den Erbfolgekriegen unter Kaiserin Maria Theresia in den 1740er-Jahren. Dies machte eine Reform der ständischen Steuerverwaltung notwendig, die seit dem 16. Jahrhundert auf den sogenannten Gülteinlagen beruhte – also den in Gültbüchern verzeichneten steuerpflichtigen Einkünften der Grundherren. Mit einem Patent wurde deshalb eine sogenannte Steuerrektifikation im Jahr 1748 angekündigt. Neu war, dass neben den untertänigen Gütern auch der herrschaftliche Besitz erfasst wurde und besteuert werden konnte.1

Abb. 1: Bildkomposition zur Maria-Theresianischen Fassion2

Während die bäuerlichen Gründe in Rustikalfassionen eingetragen wurden, entstanden Dominikalfassionen zu den Einkünften der Grundherren.3 Die Zugehörigkeit eines Gutes zu einer Grundherrschaft stand im Mittelpunkt und nicht die geographische Lage. Die Erfassung erfolgte durch grundherrschaftliche Beamten. Im Gegensatz zu den späteren Fassionen und Katastern wurden die Gründe noch nicht exakt vermessen, sondern geschätzt. Die Theresiana blieb mit einer kurzen Unterbrechung durch die Josephinische Fassion in den Jahren 1789 bis 1790 bis zum Inkrafttreten des Franziszeischen Katasters in Verwendung.4

Viele Namen

Bei der Recherche in verschiedenen Kronländern fällt auf, dass es keine einheitliche Bezeichnung gab.

  • in Niederösterreich: „Maria-Theresianischen Fassion“5
  • in Oberösterreich: „Theresianisches Gültbuch“6
  • in der Steiermark: „Maria-Theresianischer Kataster“7
  • in Kärnten: „Theresianische Rektifikation“8
  • in Tirol: „Maria-Theresiansicher Steuerkataster“9
  • in Mähren: „Tereziánský katastr“10
  • in Ungarn: „Mária Terézia Úrbéri Tabellák“ (Urbarialtabellen ab 1767)11

Hier macht es Sinn, die unterschiedlichen Begriffe voneinander abzugrenzen. Eine Fassion ist eine Angabe der zu versteuernden Summen oder ein Steuerbekenntnis.12 Als Kataster bezeichnete man ein amtliches Grundstücksverzeichnis mit Steuerregister.13 Unter einer Rektifikation versteht man wiederum eine Richtigstellung oder korrigierende Anpassung.14 Gemeint ist allerdings jeweils, wenn man so will, die Resi.

Rustikalfassionen

Die untertänigen Güter und Überländgründe15 einer Herrschaft wurden in Rustikalfassionen erfasst. Je nach Region sind die Ausführung und der Informationsgehalt unterschiedlich.16 Eingetragen wurden die Angaben in einem Vordruck. Bei Liegenschaften in Niederösterreich erstreckte sich dieser über zwei Doppelseiten mit insgesamt 17 Rubriken. In Oberösterreich und Mähren gab es 14 jeweils unterschiedliche Rubriken. Generell erfolgte die Erfassung in den einzelnen Kronländern nicht auf einer einheitlichen Basis.17

Abb 2: Doppelseite aus einer Rustikalfassion am Beispiel der Herrschaft Gaming in Niederösterreich.18
  • Hausbesitzer, manchmal Hausname
  • Hausgewerbe so vorhanden
  • Hinweise auf das Grundbuch
  • Schätzung der zugehörigen Gründe (hier unterteilt in Hausäcker, Krautgärten, Wiesen, Weingärten, Waldungen, Auen, Mühlen, Sägen, Walchen, Stampfen)
  • einzelne Gründe mit Flurnamen
Abb 3: Doppelseite aus einer Rustikalüberländfassion am Beispiel der Herrschaft Gaming in Niederösterreich.19
  1. Flurnamen
  2. Besitzernamen und Verweis auf das Grundbuch
  3. Schätzung des Grundstücks

Dominikalfassionen

Hier wurden die Einkünfte der Grundherren aus ihren eigenen Gründen und Besitzungen aufgeführt. In Niederösterreich erfasste man Informationen zu insgesamt 44 Rubriken in unterschiedlichen Vordrucken.

Abb. 4: Eine Domikalfassion zur Herrschaft Gaming in Niederösterreich.20

Recherchetipps

Die Suche nach dem richtigen Fassionsbuch ist zumeist die erste Herausforderung. Nach der Ermittlung der zuständigen Grundherrschaft, kann man beispielsweise im Findbuch des Niederösterreichischen Landesarchivs die Suchfunktion unter Angabe des Signaturteils „MThF“ sowie der Herrschaftsbezeichnung nutzen oder im digitalisierten Repertorium21 die Bandnummer nachschlagen. Bei großen Herrschaften wurden manchmal mehrere Bände zur Rustikalfassion angelegt. Hier ist es hilfreich, die Zuordnung eines Hauses zu einem Amt zu kennen. Manchmal wurden die Bücher allerdings nicht nach Ämtern organisiert, sondern schlicht ob des Umfangs aufgeteilt. Deshalb ist es auch schwer, allgemeingültige Aussagen zu treffen.

Für die Hausgeschichte ist es interessant eine Liegenschaft genau zuordnen zu können. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keine Konskriptions- bzw. Hausnummern, die dies direkt aus der Quelle selbst ermöglichen. Nur wenn Hausnamen angegeben wurden, ist dies mit Abstrichen direkt möglich. Ansonsten ist der Weg über den Verweis auf das Grundbuch zielführend. Wobei man beachten muss, dass immer auf das zeitgenössische Grundbuch (in Niederösterreich um 1750) referenziert wird. Falls dieses nicht erhalten geblieben ist, dann gibt es noch die Möglichkeit, die Zuordnung über das folgende Grundbuch herzustellen, da dort wiederum oft ein Verweis auf das vorherige Grundbuch zu finden ist. Gleichzeitig ist es leichter den Eintrag in den Fassionsbüchern zu finden, wenn man bereits den Eintrag im passenden Grundbuch hat.

Komplizierter wird es in Grenzregionen. Es gab Grundherren, die Untertanen in mehreren Kronländern hatten. So findet man niederösterreichische Liegenschaften in oberösterreichischen Fassionsbüchern und umgekehrt. Bei der Anlage der Fassionsbücher orientierte man sich oft nach dem Sitz der Herrschaft. 

In Niederösterreich wurden außerdem die landesfürstlichen Städte und Märkte (mit Ausnahme von Perchtoldsdorf) nicht erfasst, da diese bereits kurz zuvor im Rahmen der Gaisruckschen Fassion bearbeitet worden waren.22

Digitalisate

Während die Fassion selbst für große Teile der Habsburgermonarchie erfasst wurde, sind nur in einzelnen Regionen Digitalisate verfügbar. In Niederösterreich sowie in Mähren können die Bände der Fassion online eingesehen werden. Ansonsten befinden sich die Bestände in den regionalen Archiven.

NÖLA Findbuch: https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d546846

ARON (Mähren): https://www.mza.cz/aron/apu/cb75e83a-663e-498f-8c59-c3e83354095b

Hungaricana (Mária Terézia Úrbéri Tabellák = Urbarialtabellen, auch zum Burgenland): https://archives.hungaricana.hu/hu/urberi/ 

Weitere Recherchemöglichkeiten

Für Niederösterreich können die Hausbesitzer zur Zeit der Theresiana (1750/51) auf GenTeam durchsucht werden: https://www.genteam.at/de/regional-oesterreich/db66?view=db&id=66

Teilweise wurden die Bestände von Niederösterreich bereits im Projekt „Haus und Hof“ aufgearbeitet und verortet: https://huh.oefr.at/karte/?data=besitzer&filter=&year=1750

In Oberösterreich sind die Bestände in DORIS eingearbeitet: https://www.doris.at/themen/geschichte/hofnamen.aspx

Für Tirol wurden die Hausbesitzer zwischen 1774 und 1784 für Nord-, Ost- und Südtirol erfasst: https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesarchiv/forschungstipps/maria-theresianischer-steuerkataster/


  1. Karl LEGO, Geschichte des Österreichischen Grundkatasters (Wien 1967) 13 f.; Elisabeth LOINIG, Vermessung – Grenzen – Gerechtigkeit. In: Elisabeth LOINIG, Renate STOCKREITER (Hrsg.), Vermessen …? – Grenzen und Gerechtigkeit (St. Pölten 2017) 23-39, hier 25; Niederösterreichisches Landesarchiv (NÖLA), Gültbuch, https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#47c3bc6c7462756368 (22.3.2026). ↩︎
  2. Bildkomponenten: Porträt Maria Theresias von Martin van Meytens (um 1752), https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Theresia#/media/Datei:Maria_Theresia_im_Spitzenbesetzten_Kleid.jpg (22.3.2026); NÖLA, Maria Theresianische Fassion – Rohrbach Gut, Rusticalfassion (1750–1751). ↩︎
  3. Ernst BRUCKMÜLLER, Das Land unter der Enns im 18. Jahrhundert. In: Tobias HÄMMERLE, Josef LÖFFLER, Elisabeth ROSNER, Martin SCHEUTZ (Hrsg.), Niederösterreich im 18. Jahrhundert, Bd. 1 (St. Pölten 2024) 53–99, hier 69. ↩︎
  4. LOINIG, Vermessung (wie Anm. 1) 25. ↩︎
  5. NÖLA, Maria-Theresianische Fassion (wie Anm. 5). ↩︎
  6. Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA), Theresianisches Gültbuch (18. Jh.), https://www.ooela.findbuch.net/php/main.php#30322e31312e30332e30312e3031 (22.3.2026). ↩︎
  7. Steiermärkisches Landesarchiv (StLA), Maria-Theresianischer Kataster (1748–1763),  https://egov.stmk.gv.at/archivinformationssystem/objekt.jsp?id=589951 (22.3.2026). ↩︎
  8. Kärntner Landesarchiv (KLA), Theresianische Rektifikation (1748–1850) https://landesarchiv.ktn.gv.at/klais/objekt.jsp?id=25538 (22.3.2026). ↩︎
  9. Tiroler Landesarchiv (TLA), Forschungstipps: Maria-Theresianischer Steuerkataster, https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesarchiv/forschungstipps/maria-theresianischer-steuerkataster/ (22.3.2026). ↩︎
  10. Archiv Online (ARON), MZA v Brně: Tereziánský katastr 1750–1765, https://www.mza.cz/aron/apu/cb75e83a-663e-498f-8c59-c3e83354095b (22.3.2026). ↩︎
  11. Hungaricana, Mária Terézia úrbéri tabellái, https://www.hungaricana.hu/hu/adatbazisok/maria-terezia-urberi-tabellai/ (22.3.2026). ↩︎
  12. Art. Fatieren. In: Meyers Großes Konversationslexikon (1905–1909), digitalisierte Fassung, www.woerterbuchnetz.de/Meyers/Fatieren (22.3.2026); Art: Fassion. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Fassion (22.3.2026). ↩︎
  13. Art. Kataster. In: Deutsches Rechtswörterbuch, https://drw.hadw-bw.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=kataster (22.3.2026). ↩︎
  14. Art. Rektifikation. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Rektifikation (22.3.2026). ↩︎
  15. Art. überlände. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%BCberl%C3%A4nde (22.3.2026). ↩︎
  16. Bernhard HACKL, Die Gülteinlagen und die Theresianischen sowie Josephinischen Steuerfassionen in den österreichischen Ländern. In: Josef PAUSER, Martin SCHEUTZ, Thomas WINKELBAUER (Hg.), Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert) (Wien 2004) 365-377, hier 369–372. ↩︎
  17. Bernhard HACKL, Die Theresianische Steuerrektifikation in Ober- und Innerösterreich 1747–1763 (Frankfurt/Main 1999) 555–557; Willibald MAYRHOFER, Quellenerläuterungen für Haus- und Familienforschung in Oberösterreich (Linz 2019) 53–56, 158 f.; Franz JÄGER, Haus, Hof und Familie – Quellen zur historischen Haus- und Familiennforschung im Steiermärkischen Landesarchiv (Graz 2018) 86–91; Manfred WOHLFAHRT, Niederösterreichische Familien- und Hausgeschichtsforschung am Beispiel des Mostviertels (Melk 2004) 78 f. ↩︎
  18. NÖLA, Maria-Theresianische Fassion, Gaming, Herrschaft – Rusticalfassion (1750–1751) = MThF 1444/01, fol. 4, https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d546846x956x1 (22.3.2026). ↩︎
  19. NÖLA, Maria-Theresianische Fassion, Gaming, Herrschaft – Rusticalfassion (1750–1751) = MThF 1444/03, fol. 72, https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d546846x956x3 (22.3.2026). ↩︎
  20. NÖLA, Maria-Theresianische Fassion, Gaming, Herrschaft – Dominicalfassion (1750–1751) = MThF 1444/05, Einband, fol. 2, https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d546846x956x5 (22.3.2026). ↩︎
  21. NÖLA, Repertorium Maria-Theresianischen Fassion (1750) = MThF Hilfsb 05, https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d5468462048696c667362x5 (24.3.2026). ↩︎
  22. Heidemarie BACHHOFER, Quellen in Archiven. In: Tobias HÄMMERLE, Josef LÖFFLER, Elisabeth ROSNER, Martin SCHEUTZ (Hrsg.), Niederösterreich im 18. Jahrhundert, Bd. 1 (St. Pölten 2024) hier 137–188, 156; NÖLA, Maria-Theresianische Fassion (1751–1753) https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4d546846 (22.3.2026); NÖLA, Gaisrucksche Fassion (1745–1749) https://www.noela.findbuch.net/php/main.php#4761697346617373 (22.6.2026). ↩︎

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